So fotografiert ihr die Milchstraße

Die Milchstraße ist wohl eines der faszinierendsten Objekte am Nachthimmel. In diesen Beitrag möchte euch ein paar Tipps zum Fotografieren der Milchstraße geben.

Den richtigen Ort finden

Um die Milchstraße und generell den Sternenhimmel gut sehen und fotografieren zu können, solltet ihr euch einen möglichst dunklen Ort suchen. Künstliches Licht von Städten oder Dörfern sorgt dafür, dass der Nachthimmel künstlich erhellt wird. Dadurch sind die Gestirne nicht so gut erkennbar und kommen auf Fotos schlechter zur Geltung. Sie werden schlicht und einfach vom Kunstlicht überstrahlt. Man spricht auch von Lichtverschmutzung.

Sucht euch also ein abgelegenen und möglichst dunklen Ort. Zudem sollte der von euch gewählte Ort möglichst hoch liegen, um Dunst und Nebel zu entgehen und einen ungetrübten Blick auf den Nachthimmel zu haben. In Deutschland gibt es mittlerweile einige Sternenparks. Die sich durch einen besonders dunklen und möglichst von Lichtverschmutzung freien Himmel auszeichnen. Auch die bayerischen Alpen sind zum Fotografieren der Milchstraße nahezu perfekt. Kleine Täler und gut erreichbare Gipfel sorgen für ziemlich gute Bedingungen.

Wenn ihr einmal die Milchstraße in voller Pracht sehen und Fotografieren wollt, würde ich euch Teneriffa empfehlen. Auf dem Plateau am Fuße des Teide findet ihr perfekte Bedingungen für Fotos der Milchstraße. Auf gut 2200 Metern stört kaum künstliches Licht und die Felsformationen ergeben unzählige Bildkompositionen.

Dieses Foto der Milchstraße entstand auf über 2200 Metern auf dem Teide-Plateau. Dort sind die Bedingungen einfach perfekt.

Die passende Zeit zum Fotografieren der Milchstraße

Nacht ist nicht gleich Nacht. Je nach Mondphase sind die Milchstraße und andere Gestirne weniger gut oder gar nicht zu sehen. Für Fotos der Milchstraße oder auch anderer Gestirne solltet ihr euch eine möglichst dunkle und mondlose Nacht aussuchen. Die Nächte um den Neumond sind daher am besten zum Fotografieren der Milchstraße geeignet.

Zudem spielt die Jahreszeit eine Rolle. Je nach Jahreszeit ist das besonders spektakuläre Zentrum der Milchstraße gar nicht oder nur teilweise zu sehen. Aus meiner Erfahrung ist für Fotos des Zentrums der Milchstraße besonders die Zeit zwischen Juli und September perfekt geeignet. In diesen Monaten steht die Milchstraße oft lange über dem Horizont steht und ist gut sichtbar. Zudem werden die Nächte wieder länger und damit dunkler. So kommt die Milchstraße auf euren Fotos besser zur Geltung.

Dieses Bild oben entstand am Geroldsee um den Neumond. Ich hatte nur ein Objektiv mit einer Blende von f/2.8 und musste daher bei 24mm mit ISO 6400 arbeiten.

Zum Planen meiner Milchstraßenfotos nutze ich meist diesen Dämmerungsrechner, der mir die Zeiten für Sonnenauf- und Untergang sowie für den Mondauf- und Untergang für den gewählten Ort anzeigt. Um die Position der Milchstraße am Nachthimmel abschätzen zu können, nutze ich die Web-Version von Stellarium. Mit diesem Wissen muss dann nur noch die Wettervorhersage passen und der Nachthimmel möglichst klar sein.

Das passende Equipment für Milchstraßenfotos

Mittlerweile sind auch Einsteigerkameras schon mit sehr guten Sensoren ausgestattet. Daher könnt ihr einer einfachen Spiegelreflex- oder Systemkamera mit Wechselobjektiv schon gute Ergebnisse beim Fotografieren der Milchstraße erzielen. Wichtig ist bei der Wahl eurer Kamera, dass ihr die Belichtungszeit, Blende und ISO selbst einstellen könnt. Ein akzeptables Rauschverhalten bei höheren ISO-Werten ab 1600 ist ebenfalls von Vorteil, um bei der Bildbearbeitung die Details in der Aufnahme besser zu erhalten.

Wichtiger als die Kamera bzw. das Kameragehäuse an sich ist das Objektiv welches ihr zum Fotografieren der Milchstraße verwenden wollt. Dieses sollte möglichst lichtstark sein, also eine relativ große Offenblende – kleine Blendenzahl – besitzen. Mit einer Offenblende von f/2.8 ist schon einiges möglich, besser sind dennoch Werte um den Bereich von f/2.0 und darunter. Nachts ist es wichtig so wie Licht möglich einzufangen und lichtstarke Objektive helfen euch dabei ungemein. Festbrennweiten im Bereich von z.B. 20, 24, 35 oder 50 mm erfüllen diese Anforderungen am besten. Ein weiterer Vorteil, ihr könnt die ISO-Einstellung relativ niedrig wählen und somit das Rauschen im Bild reduzieren.

Da die Belichtungszeiten bei Fotos der Milchstraße oft mehrere Sekunden betragen ist ein gutes und stabiles Stativ ebenfalls Pflicht. Um Verwacklungen zu vermeiden, solltet ihr einen Fernauslöser nutzen. Der Selbstauslöser der Kamera tut es aber auch.

Dieses Foto ist mit einer 24 mm Festbrennweite bei einer Blende von f/1.4 entstanden.

Die Wahl der Kameraeinstellungen

Habt ihr einen passenden Ort zur richtigen Zeit gefunden und eure Kamera aufgebaut, geht es endlich ans Fotografieren. Aber mit welchen Einstellungen? Die Blende sollte soweit offen wie möglich sein und die ISO-Empfindlichkeit möglichst hoch. Fotografieren im RAW-Format ist, für mehr Möglichkeiten in der Bildbearbeitung, ebenfalls Pflicht. Ich würde zudem die Optionen zur Rauschunterdrückung ausschalten. Da im RAW-Format fotografiert wird, werden diese Einstellungen nicht benötigt.

Eine lange Belichtungszeit erscheint logisch, um das wenige Licht der Sterne auf den Kamerasensor zu bannen. Leider schränkt uns Mutter Natur hier ein. Aufgrund der Rotation der Erde verwandeln sich die Sterne bei längeren Belichtungszeiten in Striche bzw. Strichspuren. Ab welcher Belichtungszeit dies passiert, hängt von der gewählten Brennweite ab. Generell könnt ihr mit kürzen Brennweiten – im Weitwinkelbereich – länger belichten. Je länger die Brennweite, desto kürzer die mögliche Belichtungszeit um punktförmige Sterne zu erhalten. Als Faustregel könnt ihr 500 durch eure Brennweite teilen und erhaltet so eine grobe Orientierung für die Belichtungszeit.

Diese Regel ist aber nur ein Anhaltspunkt. Experimentiert mit der Belichtungszeit und prüft die Bilder am Kameradisplay. Erscheinen die Sterne als Punkte könnt ihr unter Umständen noch etwas länger belichten und vielleicht sogar die ISO reduzieren. Erhaltet ihr strichförmige Sterne, müsst ihr die Belichtungszeit reduzieren und ggf. die ISO erhöhen. Die passenden Kameraeinstellungen sind also immer mit ein wenig experimentieren verbunden.

Ich konnte beispielsweise mit meinem 24 mm-Objektiv bei einer Blende von f/1.4 mit einer Belichtungszeit von 15 Sekunden bei ISO 1600 arbeiten.
Bei diesem Bild habe ich mein 50mm-Objektiv genutzt. Die betrug Blende f/1.8 und die Belichtungszeit 8 Sekunden. Der ISO-Wert war auf 4000 eingestellt.

Fotos der Milchstraße bearbeiten

Die Aufnahmen sind auf der Speicherkarte und der fehlende Schlaf nachgeholt, jetzt geht es an die Bildbearbeitung. Ich nutze dafür meist Lightroom für die grundlegende Bearbeitung und Photoshop für die Feinheiten. Grundsätzlich könnt ihr hier auch wieder viel mit euren Fotos der Milchstraße experimentieren und einiges ausprobieren.

Damit besonders die Milchstraße und deren Zentrum gut zur Geltung kommt, solltet ihr den Kontrast erhöhen und auch die Belichtung ebenfalls leicht erhöhen. Zudem könnt ihr die Tiefen und Lichter erhöhen, um weitere Details zum Vorschein zu bringen. Indem ihr die Parameter „Struktur“ und „Klarheit“ erhöht, könnt ihr ebenfalls weitere Details herausholen. Ein wenig mehr Sättigung schadet ebenfalls nicht. Jetzt habt ihr eine gute Ausgangsbasis für weitere Anpassungen mit linearen und radialen Verlaufsfiltern. Ich nutze meist einen radialen Verlaufsfilter, um das Zentrum mit seinen Gaswolken aufzuhellen und stärker darzustellen. Dazu trägt auch ein eher kühler Weißabgleich – um circa 5000 Kelvin – bei. Damit wird der Nachthimmel schön bläulich dargestellt.

Hier der Vergleich der unbearbeiteten RAW-Aufnahme mit den Anpassungen in Lightroom.

Die letzten Anpassungen mache dann meist noch in Photoshop. Über die Gradationskurven und passende Ebenenmasken lassen sich die letzten Details herausholen. Meist helle ich bestimmte Bereiche auf oder dunkle sie ab. Über die Funktion „Bildberechnungen“ unter dem Menüpunkt „Bild“ lassen sich einfach sehr detaillierte Ebenenmasken erstellen. Mit diesen könnt ihr einzelne Bereiche gezielt bearbeiten. Wie auch bei den Kameraeinstellungen könnt ihr bei der Bearbeitung experimentieren, um die für euch passenden Einstellungen zu finden. Generell

Und der abschließende Vergleich zwischen der Aufnahme aus Lightroom und Photoshop.

Alles zum Fotografieren der Milchstraße zusammengefasst

Hier nochmal die wichtigsten Punkte zum Fotografieren der Milchstraße zusammengefasst.

  • Sucht euch einen möglichst dunklen und hoch gelegenen Ort.
  • Macht eure Milchstraßenfotos in einer möglichst dunklen Nacht. Die Nächte um den Neumond bieten sich dazu an.
  • Verwendet eine Kamera mit manuellen Einstellmöglichkeiten für Blende, Belichtungszeit und ISO. Nutzt zudem ein lichtstarkes Objektiv, optimalerweise eine Festbrennweite. Ein stabiles Stativ sollte auch nicht fehlen.
  • Fotografiert im RAW-Format und mit möglichst offener Blende. Wählt die Belichtungszeit passend, um punktförmige Sterne zu erhalten. Hier hilft die Faustregel 500/Brennweite zur groben Bestimmung der Belichtungszeit. Wählt die ISO passend, um genug Details zu erhalten. ISO-Werte zwischen 1600 und 4000 sollten ausreichend sein.
  • Erhöht bei der Bildbearbeitung den Kontrast und ebenfalls leicht die Belichtung. Zieht die Tiefen und Lichter auf, um Details herausarbeiten. Über Verlaufsfilter könnt ihr weitere Details herausarbeiten.

Ich hoffe, ich konnte euch einen kleinen Einblick geben, wie Fotos der Milchstraße aufgenommen und bearbeitet werden können. Ich wünsche euch viel Spaß beim Ausprobieren und Experimentieren.

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